Mein Kind will nicht lernen – was tun?

Die Schulschließungen stellen alle Eltern vor neue Herausforderungen. Jetzt geht es nicht mehr nur darum, die Hausaufgaben der Kinder am Nachmittag zu begleiten. Plötzlich muss zuhause ein geregelter Schulalltag organisiert und die Freizeit der Kinder ohne Freunde und Vereine neu gestaltet werden. Eltern haben neben ihrer Rolle auch noch die des Lehrers, ersetzen die schmerzlich vermissten Freunde und Großeltern. Dabei müssen sie selbst ihren Arbeitsverpflichtungen nachkommen.

Wenn Schule und Hausaufgaben bei Ihnen zuhause schon immer ein schwieriges Thema waren, dann bietet die aktuelle Situation genug Anlass, das Fass zum Überlaufen zu bringen. Fehlende Lernmotivation und „Null-Bock“-Stimmung der Kinder präsentieren sich in ganz neuem Licht. Der Klassiker: Eltern bestehen auf dem Erledigen der Schulaufgaben und Kinder begegnen ihnen mit Unverständnis und Trotz. 

Im folgenden Artikel wollen wir vermitteln, dass Motivation in Zeiten von Corona genauso funktioniert wie vor Corona. Und noch besser: Corona bietet auch Chancen, die Motivation Ihres Kindes neu zu wecken und zu fördern. 

Schüler*innen brauchen Lernbegleiter, die ermutigen, nicht entmutigen!

Wir alle wissen, dass diese Zeit gerade jeden und jede stark fordert. Deshalb macht es wenig Sinn, dass Eltern sich wie Lehrer*innen verhalten und verbissen versuchen, ihr Kind dazu zu bringen, alle Aufgaben zu erledigen. Denn selbst Lehrer*innen sind in dieser Situation damit überfordert, die richtige Aufgabenart und -menge für ihre Schüler zu finden. Und nicht für jede*n Schüler*in ist das gleiche Aufgabenpensum sinnvoll. 

Wenn die Schularbeit in einer Woche also mal nicht geschafft wird, dann ist das okay! Versuchen Sie, Ihrem Kind auf Augenhöhe zu begegnen, als „Lernbegleiter*in“ und nicht als autoritäre*r Lehrer*in – diese Zeiten sind vorbei. Seien Sie am Ende jeden Tages stolz auf das, was Ihr Kind geschafft hat, egal wie viel es war. Und bringen Sie Ihrem Kind diesen Stolz in Form von Anerkennung entgegen.

Das Warum ergründen.

Wenn es aber gar nicht dazu kommt, dass ein*e Schüler*in den Tag nutzt, um Schulaufgaben zu erledigen? Wenn er/sie sich gegen jeden Motivationsversuch der Eltern sperrt? Dann lohnt es sich, Zeit darauf zu verwenden, eine gute Basis zu schaffen, die das eigene Kind zum Lernen motiviert. Denn Kinder sind von Grund auf wissbegierige und neugierige Wesen. Leider hat die Schule es oft geschafft, ihnen ihren Wissensdurst abzutrainieren. 

Die aktuelle Situation bietet die Chance, der Lernmotivation Ihrer Kinder wieder zu wecken. Wir lernen, wenn wir ein Ziel vor Augen haben, wenn wir wissen, warum und wann wir dieses Wissen brauchen. Daher lohnt es sich, diesem „Warum“ des Lernens zuerst auf die Spur zu kommen: Was möchte der Schüler später beruflich machen? Wie praktisch wäre es, schon vor einem Ausflug mit dem Auto zu wissen, wie viel Benzin man benötigt? Wie groß ist die momentane Bedrohung durch das Virus? Sie könnten die aktuellen Zahlen der Corona-Infizierten nehmen und diese graphisch darstellen. 

Verknüpfen Sie das zu lernende Wissen mit Dingen und Fragen, die einen Bezug zum Alltag der Kinder haben. Das schafft das nötige Interesse, Schulstoff auch verstehen zu wollen

Einen Rahmen schaffen, der Lust aufs Lernen macht.

Die Lernmotivation Ihres Kindes steigt auch durch eine geeignete Umgebung und Routinen. Jede*r braucht zeitliche Strukturen; nach Arbeitsphasen muss es auch Erholungsphasen geben. Um diese gut zu planen, sollte man den eigenen Biorhythmus kennenlernen: Zu welcher Zeit des Tages ist man besonders produktiv? Und wann kann man sich kaum konzentrieren? Ist man eher Lerche oder Eule? Für die Eulen unter den Schüler*innen ist der frühe Schulstart zum Beispiel nicht optimal. 

Auch für den Pausenrhythmus gilt: Wem nützt es, wenn man sich nach einer Stunde nicht mehr konzentrieren kann, aber eine reguläre Schulstunde immer 90 Minuten umfasst? Nutzen Sie die Freiheit, die Ihr Kind jetzt hat, um die Arbeits- und Pausenzeiten an seinen Rhythmus anzupassen. Und auch hier gilt: Begegnen Sie Ihrem Kind als Lernbegleiter*in auf Augenhöhe. 

Franziska Klimt