Ein Einstieg in einen digitalen Unterricht.

Im regulären Schulbetrieb sehen sich die Lehrkraft und ihre Schüler*innen mehrmals in der Woche im Unterricht, um zu lernen – ganz klar! Wenn die Schulen nun aber geschlossen sind, fehlt dieser natürliche Kontakt. Was aber auch während der Schulschließungen nicht fehlen darf, ist die Kommunikation. Das digitale Klassenzimmer ist der Ort, an dem die Lehrkraft mit ihren Schüler*innen in Kontakt tritt und die Lehr- und Lernprozesse zusammengehalten werden. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie eine Lehrkraft ihr digitales Klassenzimmer gestalten kann, die außerdem durch die technische Ausstattung und die Schüler*innen bedingt werden. Eine Lehrkraft wird über das eine digitale Klassenzimmer nicht alle Schüler*innen gleichermaßen erreichen können, aber sie sollte es versuchen.

Unterricht benötigt Interaktion auch in einer digitalen Form. Von dem Gedanken einer klassischen 45-Minuten Stunde mit einem klassischen Dreischritt von Einstieg, Erarbeitung und Sicherung müssen wir uns beim digitalen Unterricht etwas entfernen und neu denken. Dazu liefern wir im Folgenden einige allgemeindidaktische Überlegungen. Denn wie auch zuvor steht das Lernen im Vordergrund, nicht die Apps und Programme.

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Das digitale Klassenzimmer

Bei der Gestaltung und Umsetzung eines digitalen Klassenzimmers können Sie sich als Lehrkraft zu Beginn einige Fragen stellen: Was ist mein Ziel? Wie sieht mein Lehrplan aus? Wie kann ich selbstständiges Arbeiten meiner Schüler*innen ermöglichen? Wie kann ich eine Kommunikation gewährleisten?

Es ist zudem wichtig, dass Sie Ihren Schüler*innen Strukturen an die Hand geben, wie sie sich im digitalen Klassenzimmer verhalten sollen. Setzen Sie auf klare Zeitangaben. Formulieren Sie für Ihre Arbeitsaufträge eine Antwortstruktur. Zeigen Sie, wie man im Internet kommuniziert.


Jedes Medium für das digitale Klassenzimmer hat Stärken und Schwächen bei der Gestaltung und Umsetzung, aber alle ermöglichen Kommunikation und Interaktion.
1. E-Mail – das niedrigschwellige Format: Viele Schulen setzen bereits im regulären Betrieb auf die Kommunikation per E-Mail zwischen Lehrer*innen und Eltern und Schüler*innen. Warum sollte man bestehende Strukturen nicht nutzen und den Schüler*innen zeigen, wie man eine gute E-Mail schreibt?
2. Lernplattform – ein virtueller Kursraum: Spätestens in der Ausbildung oder im Studium werden Ihre ehemaligen Schüler*innen mit Lernplattformen wie Moodle konfrontiert – warum also nicht schon jetzt? Lernplattformen bieten zum einen die Möglichkeit der Kommunikation – wie in einer Mail – allerdings können Sie hier gleichzeitig Material zur Verfügung stellen, Online-Aufgaben für Gruppenarbeiten erstellen und konkrete Abgabetermine einstellen.
3. Videochat – die „echte“ Kommunikation: Vermutlich hat jeder schon einmal an einer Video-Konferenz teilgenommen – und sei es nur ein Skype-Gespräch mit Freund*innen. Über Videochats kann man 1:1 kommunizieren, die Lehrkraft kann aber auch mit mehreren Schüler*innen gleichzeitig sprechen und sie sogar sehen, wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind.

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Passive Lernphasen im Online-Unterricht

Passive Lernphasen im Unterricht sind die Abschnitte, in denen Schüler*innen der Lehrkraft zuhören, einen Text lesen oder ein Video ansehen. Um das Interesse oder die Motivation bei den Schüler*innen zu wecken, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, stehen Ihnen auch im digitalen Unterricht die bekannten Medien zur Verfügung.

Sie können zum Einstieg auf analoge und digitale Medien setzen. In Ihrem digitalen Klassenzimmer könnten Sie zum Beispiel einen Link zu einem Lernvideo teilen, das die Schüler*innen allein oder im Videochat gemeinsam ansehen. Im Videochat können auch aufkommende Fragen direkt geklärt werden.

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Aktive Lernphasen im Online-Unterricht

In aktiven Lernphasen markieren Schüler*innen im Text, sie füllen Lücken aus, fertigen Notizen an, spielen ein Video ab und üben. In dieser Lernphase werden Inhalte erarbeitet und möglicherweise kurz abgefragt. Steuern Sie sie durch Ihre Arbeitsaufträge. Die Arbeitsaufträge müssen im digitalen Klassenzimmer noch präziser formuliert werden und mit Beispielen zur Antworteingabe konkret unterstützt werden. Überlegen Sie sich also, bevor Sie die Aufgabe stellen, wie die Abfrage oder Abgabe bzw. die Kommunikation danach aussehen soll.

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Gemeinsame Lernphasen im Online-Unterricht

Gemeinsame Lernphasen sind besonders wichtig, da sie den Lernprozess erst vollständig machen und abschließen. Im ersten Schritt dieser Phase können Schüler*innen allein oder in Gruppen das Gelernte verarbeiten, indem sie selbstständig Überlegungen in eigenen Worten zusammenfassen, in Beziehung setzen und vergleichen. Die Abgabe kann über Cloudsysteme, Lernportale oder die Email erfolgen. Geben Sie Ihren Schüler*innen zur Benennung ihrer Dateien ein Beispiel wie Aufgabe_Name_Datum, damit Sie sie besser zuordnen können.
Im zweiten Schritt erfolgt die konkrete Interaktion zwischen Lehrkraft und Schüler*innen: Beide Seiten diskutieren, stellen und beantworten Fragen und kommunizieren. Am besten lässt sich ein solcher Austausch vermutlich 1:1 über Videochats abbilden. Bedenken Sie im Voraus in jedem Fall den gesamten Prozess: Ausgabe der Aufgabe und Festlegung der Zeit, Besprechung vor Abgabe und Abgabezeitpunkt und Zeitpunkt des kommunikativen Austauschs.

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Ein Ausblick

Niemand wird es einem übel nehmen, wenn die Prozesse an einigen Stellen noch nicht reibungslos verlaufen. Nach Perfektion zu streben, wäre in diesem Moment eher schädlich als nützlich, da der digitale Unterricht für alle etwas Neues ist. Wir sollten ihn weniger als Herausforderung, sondern vielmehr als Chance verstehen.
Wichtig ist, dass wir jetzt aktiv werden und es gemeinsam versuchen.